Das Rätsel um U667

(ein Bericht von Christian Hirsch)

Als ich im Winter 2012 die Geschichte meiner Mutter Marianne Hirsch niederschrieb, waren auch viele Fotos und Dokumente aus Ihrer Kriegszeit als Rot-Kreuzschwester in Frankreich zu sichten.

Ihre damalige Tätigkeit in La Baule bei St.Nazaire war eng mit den dort stationierten U-Bootsmannschaften verbunden. Und mit jedem Bild und Brief wurde mein Interesse zu diesem tragischen Teil des 2.Weltkrieges
größer. So stieß ich in den Unterlagen auch auf untenstehendes Bild.


Auf der Rückseite stand : „Rudi Schönmetzler- U Glück auf“

Ich erinnerte mich, oft hat Sie mir von einer Fr.Schönmetzler erzählt. Wenn Sie diese Frau in Mürzzuschlag traf weinte diese, da sie wußte das meine Mutter ihren Sohn ( Bruder?) gekannt hatte.
Durch Recherche im Internet konnte ich die Daten des betreffenden U-Bootes ermitteln:
U 667(Anlage 1), am 25.08.1944 in der Biscaya vor La Rochelle durch eineMine gesunken- keine Überlebenden.
U667 hatte als Emblem zwei gekreuzte Hämmer – ein Bergwerkszeichen, daher „ U Glück auf “.
Als ich darüber mit meinem Bruder Helfried sprach, wußte auch er eine Geschichte zu diesem Boot: Unsere Mutter stammte aus einer Bergwerksfamilie, so brachte Sie von zu Hause eine Grubenlampe mit nach Frankreich und übergab diese Lampe als „Maskottchen“ an U 667. Im Meldeamt von Mürzzuschlag konnte ich aber über eine Familie Schönmetzler nichts erfahren.
Wieder half mir ein Zufall:
In einem Gesprach mit einem Regionalhistoriker erzählte ich Ihm von meiner Suche nach der Familie Schönmetzler. Seine Antwort war ein Schlüssel für mich: Die jüngere Schwester von Rudi war eine ehemalige Arbeitskollegin von Ihm. So konnte ich Kontakt mit Ihr aufnehmen und mich mit Ihrem Gatten treffen. Er hatte viele Fotos und Andenken.
Aber ich erfuhr auch, daß sich Rudi mit 17 Jahren freiwillig zur Marine gemeldet hatte! Er wurde 20 Jahre alt!

Ein weiterer Zufall kam mir durch eine Dokumentation im Fernsehsender
Arte zur Hilfe:
Vor Genua wurde U455 gefunden. Durch diese Doku erfuhr ich, daß es in La Baule ein Museum über die 2.Weltkriegsgeschichte mit dem Schwerpunkt auf die deutsche U-Bootswaffe gab. Besitzer dieses Museums sind die Brüder Luc und Marc Braeuer (www.grand-blockhaus.com).
Über den ebenfalls in dieser Sendung (sowie in vielen anderen Dokumentationen über U-Boote) zugezogenen technischen Fachmann und Autor mehrerer Bücher über deutsche U-Boote des 2.Weltkrieges Hr. Dr. Axel Niestle' konnte ich Kontakt mit den Brüdern aufnehmen. Es entwickelte sich rasch ein intensiver Mail-Kontakt, da beide Brüder sehr gut Deutsch sprechen.

Eines der ersten Fotos, welche ich von Ihnen bekam, überraschte mich sehr, es zeigt meine Mutter Marianne mit Seppl Stuppner, der am 14.August 1944 auf U 618 starb.



Luc Braeuer vermittelte mir auch den Kontakt zu Jean-Louis Maurette, ein Taucher aus der Umgebung von Lorient. Er hatte schon 2003 bei einem 1973 durch französische Taucher vor La Rochelle entdeckten Wrack eines deutschen U-Bootes getaucht. Es gibt einen ausführlichen Bericht von Ihm, jedoch sind im betreffenden Gebiet 2 deutsche U-Boote vermißt- U 263 vermißt seit 20 Jänner 1944 und U 667 seit 25.08.1944. Leider konnte
beim Tauchgang 2003 durch die starke Beschädigung des Bootes keine Identifizierung erreicht werden. Auch berichtet er von sehr schwierigen Tauchbedingungen, obwohl das Wrack nur in 25m Tiefe liegt.
Anfang Dezember 2013 konnte ich mich dann mit Luc und Marc Braeuer, sowie Jean-Louis Maurette im U-Bootsarchiv Cuxhaven treffen. Es wurde sehr bereichender und informativer Nachmittag. Ich bekam Fotos vom Wrack vor La Rochelle und erfuhr, daß Jean-Louis gerade an einem Buch über das französiche U-Boot „Rubis“ arbeitet.
Auch konnte ich Fotos von U 667 und U 618 mitnehmen. Im Gespräch erwähnte Jean-Louis auch das Wrack einer Junkers Ju 52 „Mausi“(Anlage 2) bei Lorient. Damit wurde eine Reise an die französiche Atlantikküste immer konkreter, und mein Freund DI Heimo Stadlbauer, Spezialist für Ju 52 Flugzeuge, würde mit dabei sein. Wir hatten schon einige Abenteuer auf der Suche von JU 52 Wracks bestanden-von Norwegen bis Korsika.


Von links: Luc Brauer, Verfasser, Marc Brauer


Jean-Louis Maurette

Am 03.Juni 2014 war es nun soweit. Wir hatten meinen VW-Bus mit allen nötigen „Ausrüstungsgegenständen“ vollgepackt und verließen Mürzzuschlag für meine Verhältnisse recht zeitig. ( 07h00). Über Zwischenaufenthalt in Speyer und Besuch des dortigen Technik-Museums trafen wir am 04.Juni in La Baule ein. Wir richteten uns am dortigen Campingplatz häuslich ein und hatten Zeit die Gegend zu erkunden, da Luc und Marc in der Normandie weilten und erst am 07.Juni wieder im Museum sein würden.
07.Juni: Wir fahren zum Museum“LE GRAND BLOCKHAUS“ und treffen uns mit Luc Braeuer. Er hat frische Austern für einen Imbiß mitgebracht, und wir versuchen die für uns neue Kost mit vorsichtigem Interesse.


Es folgt eine Beischtigung des Museums :




Wir fragten Luc, ob die U-Bootsbunker in St.Nazaire zu besichtigen wären. Dies wäre möglich, die Bunker 1-4 sind an eine Firma vermietet und nicht zu betreten, allerdings kann man von der anderen Seite von Bunker 14 beginnend bis Bunker 6 durchgehen. Im ursprünglichen Zustand ist nur der Bunker 5. „Da müßt ihr am Sonntag, das heißt morgen, möglichst zeitig dort sein. Ihr zieht euch die Neoprenanzüge an und könnt dann in den Bunker 5 hineinschwimmen und fotographieren,“so Luc's Vorschlag. Das klang spannend, also starteten Heimo und ich am Sonntag um 06h00 von La Baule nach St.Nazaire.
Wir erkundeten also zuerst die Bunkeranlage in normaler Kleidung; etwas unheimlich, irgendwie bedrückend. Bei Bunker 6 angelangt, und nach kurzer Besichtigung stand für mich fest – nichts bringt mich in dieses Hafenbecken, von Ölschlieren beginnend bis zu allen möglichen Tierexkrementen gab es hier alles. Wir machten einige Fotos und fuhren zurück um ein gutes Frühstück zu genießen.



Am 08.Juni hat Marc Dienst im Museum und wir treffen Ihn dort zu einem längeren netten Gespräch.
10.Juni: Wir fahren weiter Richtung Lorient um uns in Quimperle`mit Jean-Louis Maurette zu treffen. Er zeigt uns die Bunkeranlagen in Lorient und hat alles organisiert. Wir können bei Ihm schlafen, er hat auch schon ein Boot für den nächsten Tag um zur Ile de Groix zu fahren, wo die JU 52 liegt. Am Abend fahren wir noch zu seinem Freund Alain – er ist der Bootsbesitzer und technischer Taucher wie Jean-Louis im Tauchclub Expedition Scyllias (www.scyllias.fr). Alain hat uns zum Abendessen eingeladen, so lernen wir auch seine Frau kennen, und ein typisch bretonisches Haus. 11.06.2014: Tagwache um 06h00, ein für uns ungewohntes Frühstück, Kaffee und ein paar Kekse- deftiger dann die Jause am Vormittag. Im Hafen von Lorient wird alles auf das kleine Boot geladen, und um 06h40 fahren wir ab. Jean-Louis zeigt uns noch die Schiffswracks vor den U-Bootsbunkern, sie sollten einen Torpedoangriff verhindern. 09h00: Wir sind am Treffpunkt bei der Insel und warten auf Jean-Michel, er kennt die exakte Lage des Wracks. Ein kleines Problem, inzwischen bin ich so seekrank, daß ich an ein Anziehen zum Tauchen gar nicht denken möchte. Nachdem ich aber ausgiebig die Fische gefüttert habe, geht es mir etwas besser.
Jean-Michel ist mit einem Zodiak und einigen Tauchern gekommen und legt uns die genaue Lage fest. Ich kann mit Heimo ins Wasser, Tante JU bzw. die Reste davon liegen nur in 6m Tiefe. Zuerst sehe ich nur einen dichten Kelp-Dschungel, jedoch schön langsam können wir Teile erkennen. Der Magnetring, Motorteile mit Luftschraube, der Generator – wir machen viele Fotos und hoffen, daß trotz der schlechten Sicht doch etwas verwendbar wird.

Magnetring          

   Heimo mit Luftschraube



v.l.: Autor, Heimo, Jean-Michel Crouzet, Jean-Louis Maurette

Wir fahren in den Hafen der Insel um uns zu stärken. Aber außer einem Stück Brot vertrage ich noch nichts. Nach einem Cola in einem Strandcafe wird mir besser und ich kann dem Vorschlag noch bei dem deutschen Sperrbrecher(Anlage 3) 134 zu tauchen etwas abgewinnen. Dieser liegt in 26m Tiefe, also bleibt Heimo an Bord, es ist ja kein Flugzeug. Da Jean-Louis für das Boot verantwortlich ist, gehe ich alleine.
Das Wrack ist leicht zu finden, die Sicht allerdings schlecht. Ich versuche ein kurzes Video mit meiner neuen Kamera zu machen. Es gibt große Seespinnen und Franzosen-Dorsche. Nach ca. 30 min beende ich meinen Tauchgang und werde von Jean-Louis wieder „aufgefischt“.
Wir fahren zurück nach Lorient. Auf das U-Bootswrack vor La Rochelle angesprochen hat Jean-Louis dort keinen Zugang zu einem entsprechenden Boot und warnt uns auch vor den schwierigen Tauchbedingungen.

Aber er gibt uns den Tip daß uns möglicherweise Luc Braeuer weiterhelfen könne und er wird uns auch die GPS-Daten mit SMS senden. Auch das Füllen unserer Preßluftflaschen hat er noch organisiert. Wir verabschieden uns von einem echten Freund und sind wieder Richtung La Baule unterwegs. Zwischendurch Aufenthalt auf einem Campingplatz in der Nähe von Carnac wo wir die steinzeitlichen Monolithen besichtigen. Am 13.06. sind wir wieder beim Museum in La Baule. Luc wird versuchen für uns ein Boot ausfindig zu machen. Er spricht auch noch mit Jean-Louis. Wir haben eine „Einsatzplanung“:
Luc hat über seinen Museumsleiter in La Rochelle ein großes Zodiak (Schlauchboot) mit Skipper gefunden. Aus dem Gespräch mit Jean-Louis ergibt sich folgendes: Luc hat schon länger nicht getaucht, auch für Heimo ist dieser Tauchgang nicht geeignet. Aber Marc hat viel Erfahrung und würde mit mir tauchen, er würde auch die Bootskosten mit mir teilen. Terminfrage: Einigung auf Donnerstag den 19.06., Marc hat an diesen Tag frei, die Wettervorhersage paßt(wenig Wind (Anlage 4)) und um 16h37 haben wir den Tidentiefststand(Ebbe (Anlage 5)) auch der Tidenhub ist in diesem Zeitbereich erträglich. Also starten wir voraus Richtung La Rochelle. Auf Heimos Anregung legen wir die Insel Noir Moutier auf unsere Reiseroute. Dort gibt es eine Zufahrt zur Insel welche nur bei Ebbe benutzbar ist. Wir hätten dort aber länger warten müssen, und da es auch eine Brücke gibt war mir dies zur Schonung meines Busses lieber.
15.06.2014: Sind in La Rochelle angekommen und können den Bus in einem Parkhaus abstellen. Besichtigung der Stadt: Aquarium, Marine-Museums , sowie „Port Minimes“ das ist der Sportboothafen wo wir uns mit Marc am Donnerstag treffen werden.
Ich bekomme ein SMS von Jean-Louis: „ Hello Christian! Position with Datum Euro 50: N 46.06,.....-W01.35,......“ Der Zusatz „with Datum Euro 50“ bereitet mir Kopfzerbrechen. Ich suche auf meinem Garmin, Heimo versucht es im Internet.
Wir kommen nach einiger Zeit zur Lösung: Es gibt verschiedene Kartenbezugssysteme, eines davon hat die Bezeichnung European 1950. Das hat Jean-Louis damit gemeint. Heute sind die Geräte allgemein auf WGS 84 (world geodating system 1984) eingestellt. Wir hätten um 100 m versetzt an der falschen Stelle gesucht!!!

16.06.2014: Wir bleiben am Campingplatz und verbringen einen „faulen“ Tag.
 
17.06.2014: La Rochelle, Besichtigung des „Bunkers“ ein weiteres Museum der Brüder Braeuer. Daneben befindet sich die Markthalle mit Fisch,Käse und anderen Köstlichkeiten.
Ich telefoniere mit Marc, er will am Donnerstag um 9h30 in La Rochelle sein, so daß wir in Ruhe alles vorbereiten können. Wir werden uns in Port Minimes treffen, wird nicht ganz einfach sein, gibt es dort doch 4000 Liegeplätze für Sportboote.

18.06. Mittwoch Abend: Anruf von Marc: „Wir haben ein Problem; der Skipper hat kurzfristig abgesagt, Begründung:“ Es ist ihm zu weit draußen“. Marc versucht ein anderes Boot zu bekommen. 22h30: Anruf von Marc, er hat ein Boot gefunden, jedoch ohne Skipper. Er selbst besitzt nur einen Bootsschein für Fahrten bis maximal 10km Entfernung von der Küste, jedoch war der Bootsverleiher der Ansicht im Hafen sicher jemanden als Bootsführer zu finden. Ich rufe nochmals bei Marc an, das Wrack liegt zwar 30km weit vor La Rochelle im Atlantik, jedoch dürfte die Entfernung von der Ile de Re nicht viel mehr als 10km sein.

19.06.2014, Fahrt nach Port Minimes um uns mit Marc zu treffen, er kommt kurz nach 10h00. Wir treffen uns bei der Capitanerie im Hafen. Der Bootsverleiher hat ihn noch aufmerksam gemacht, sein Bootsschein gilt 10km weit vom nächsten Hafen- wir suchen nach einem Skipper. Im Hafenamt gibt es keine Hilfe, dort sind sie nur für die Liegeplätze zuständig. Marc schnappt sich die dort aufliegenden Broschüren der Bootsverleiher und beginnt zu telefonieren. Nacheinander arbeitet er alle Angebote ab, jedoch ohne Erfolg. Sein Museumsleiter aus La Rochelle, Herve' Sinquin untersützt uns. Er bekommt den Tipp bei der Segelschule in der Nähe zu fragen. Keiner hat so kurzfristig Zeit. Er bekommt die Nummer einer Tauchbasis, Antwort: wäre interesannt, jedoch heute nicht möglich. Es folgt eine Adresse eines Anbieters von Angelfahrten. Ja er hätte das Boot frei, jedoch ein großes Boot für 8 Leute, es kostet 600 Eur für den Nachmittag. Das war uns dann doch zu teuer. Aber er gibt uns die Nummer von einem Bekannten mit einem großen Zodiak, dieser müßte sowieso nach Port Minimes kommen und etwas abholen, er könnte uns mitnehmen. Marc erreicht den Bootsbesitzer, aber er kann auch nicht heute fahren.Unser Zeitfenster wird immer kleiner!!! Ich erkläre Marc, daß ich ein kroatisches Küstenpatent habe, wer könne uns sagen ob es hier gültig ist?
Wir müssen zum Marineamt in der Stadt. Dort angekommen stehen wir vor dem verschlossenem Eingang. Wieder geöffnet um 13h30. Kein Problem, es ist 13h25. Kurz darauf stehen wir bei der Information. Marc schüttelt den Kopf, er entschuldigt die französische Bürokratie: Das Gebäude öffnet um 13h30 die Büros aber erst um 14h00. Wir finden jedoch einen netten Beamten, der sich sofort um unser Anliegen kümmert:
Mein Patent gilt nur mit einer beglaubigten französichen Übersetzung, die habe ich natürlich nicht. Jedoch ist Marcs Bootsschein noch ein „alter“ dieser gilt ab der Küste und nicht ab dem letzten Hafen. Unsere gesammte Gruppe wandert mit dem Beamten über den Gang zur Marinepolizei, dort ist eine große Seekarte. Marc erklärt unser Vorhaben, und daß wir extra aus Autriche deswegen gekommen sind. Das Wrack wird hier als „Nautilus“ bezeichnet. Wir ermitteln auf der Karte eine Entfernung von ca. 12 km von der Ile de Re. Zur betreffende Zeit ist Ebbe, es dürfte also nicht mehr als 10km sein- Marc wird fahren! Schnellstens zurück zum Bootsverleih. Während Marc dort die Papiere unterschreibt und einen Scheck über 2000 Eur als Kaution hinterlegt, organisiere ich noch 2 Pizzen. Bootsmiete 197 Eur plus Kraftstoff.
In den vorhergehenden Tagen habe ich mir von meinen Taucharzt Dr.Antensteiner telefonisch noch ein Medikament gegen Seekrankheit „empfehlen“ lassen, mit dem entsprechen Kommentar seinerseits:“ wirkt sehr gut, macht zwar etwas müde, im Wasser wirst du sowieso wieder munter“.


Es ist ein 5m-Festrumpfboot mit einem 90PS Honda-Außenbordmotor. Wir können endlich das Boot beladen. Die Anmerkung des Verleihers, daß unser Boot für da draußen zu wenig Ankerleine hätte, schlage ich in den Wind, ich habe sowieso noch 40m Seil mitgenommen.
Auch Heimo und Herve' kommen mit an Bord. Wir fahren um 15h20 aus dem Hafen. Wir sollten um 16h37 am Tauchplatz sein und haben noch gute 30 km vor uns. An Bord ist ein GPS Gerät mit Echolot. Ich versuche die Daten ins Gerät einzugeben, gelingt mir jedoch nicht. Aber Ich habe auch noch mein kleines Garmin mit. Die See ist sehr ruhig und wir kommen gut voran, nur das Echolot zeigt unter Fahrt fehlerhafte Werte. Unter uns eine Wassertiefe von 0,6 m-kann nicht sein, wir sind trotzdem vorsichtig. Leider haben wir uns zu früh über die ruhige See gefreut. Kaum ist die Ile de Re hinter uns, zeigt der Atlantik ein anderes Wesen. Wir müssen das Tempo stark drosseln, durch die Gischt sind wir unter Minuten naß bis auf die Haut. Wassertemperatur erfrischende 14°C. Ich tausche mein T-Shirt gegen meinen Regenschutz, etwas besser.
Heimo sitzt vor mir, einmal auf der Bank und kurz darauf 20cm über der Bank. Wir versuchen uns einigermaßen festzuhalten. Nur Marc steht unbeirrbar am Führerstand und versucht den Kurs zuerst etwas mehr Richtung Norden zu halten um den Wellen etwas ausweichen zu können. Die Fahrt scheint kein Ende zu nehmen, uns ist kalt und wir werden schwer durchgeschüttelt, auch die Tankanzeige geht gegen ½ voll. Ich muß an eine Erzählung von Jean-Louis denken. Die französische Marine holt nur die Menschen und keinerlei Material, beruhigend. Ich überlege ernstlich eine Umkehr. Wir probieren es noch ein Stück. Nach ca 15 min meint Marc es kann nicht mehr weit sein. Er drosselt das Boot um unsere genaue Position zu sehen. Ein Nebeneffekt davon ist, das die nächste Welle ins Boot schwappt und Heimo kein trockenes Stück Stoff mehr am Leib hat. Wir müssen in unmittelbarer Nähe sein, es ist 17h50 also eine Stunde nach Ebbe. Es gibt hier keine Boje oder Hinweis. Marc fährt langsam „im Kreis“ und ich beobachte das Echolot. Wir haben unwarscheinliches Glück, nach keinen 3 Minuten sehe ich das Wrack am Bildschirm. Marc gelingt es nach 2 Versuchen uns doch zu verankern. Wir beginnen uns zum Tauchen fertig zu machen.




Ich befestige noch meine 40 m Seil am Boot und werfe es ins Wasser. Lasse mich rückwärts über Bord fallen und bin froh über mein Seil, da ich durch die Strömung schon 10 m vom Boot entfernt bin. Am Seil zurück zum Boot warte ich auf Marc und wir gehen entlang der Ankerleine in die Tiefe. Wir sind froh, daß wir Herve' und Heimo als Bootscrew an Bord haben.
Unter Wasser ist die Sicht miserabel, die Flut hat schon eingesetzt, und wir gehen in einer dichten „Planktonsuppe“ nach unten. Das Glück bleibt jedoch bei uns, der Anker liegt dicht neben dem Wrack. Ich bin sehr aufgeregt, dementsprechend ist auch mein Luftverbrauch, obwohl wir nur in 26m Tiefe sind. Das Meerwasser hat dem 7C- Boot stark zugesetzt, und durch Strömung, schlechte Sicht und den Beschädigungen habe ich es schwer mir einen Überblick zu schaffen. Viele Fischernetze erschweren uns die Erkundung. Ich mache einige Fotos und versuche das Boot mit einem Video zu dokumentieren. Der Turm mit den Sehrohren ist gut zu erkennen. Das Angriffssehrrohr ist ausgefahren. Wenn man mit dem Handschuh darüberfährt, glänzt der rostfreie Stahl. Auch die Optik kann man sehen.

 Marc mit Sehrohr


Einstiegsluk

Neben dem Sehrohr sind Gummischeiben (ca.15cm Durchmesser und 1,5cm Dicke auf einem Seil aufgefädelt, ob diese zum Boot oder einem Fischernetz gehören kann ich nicht sagen. Beim Einstiegsluk fehlt der Deckel, durch die durchgerostete Bootshülle sieht man nur Sand, Fische und Krebse.
Neben dem Turm sind große Preßluftflaschen (Gasflaschen?) erkennbar. Man schwebt über einem Gewirr von Rohren und Leitungen. Mir gelingennur Detailaufnahmen, für eine größere Übersicht ist die Sicht zu schlecht. Wir tauchen noch weiter bis zum Punkt wo der Bug im Sand verschwindet. Marc und Ich haben noch ca. 70 bar in den Preßluftflaschen und beginnen mit dem Aufstieg. Nach dem obligatorischen Sicherheitsstop von 3 min sind wir bald wieder an Bord.
Am Boot sind wir sehr gemischten Gefühlen ausgesetzt, einerseits sehr glücklich über den erfolgreichen Tauchgang, andererseits wissen wir bei einem Grab von mindestens 45 Seeleuten gewesen zu sein.


Die Rückfahrt verläuft angenehm, die See ist ruhiger und wir kommen gut voran. Im Hafen müssen wir das Boot noch betanken und können es um ca. 20h00 zurückgeben. Abgesprochen war zwar ca. 18h00, aber der Bootsverleiher war sehr nett und sagte nur o.k. Die Ausrüstung wird wieder im Bus verstaut und nach dem Umziehen treffen wir uns noch mit Marc zu einem Abendessen in einem Hafenrestaurant. Beschließen den Abend jedoch bald, Marc hat noch 4 Stunden nach Hause zu fahren. Ich verabschiede mich von Marc im Gefühl einer starken Bindung, welche sich durch unser gemeinsames Abenteuer entwickelt hat. Er hat wirklich alles Erdenkliche unternommen um diesen Tauchgang zu ermöglichen und so hatten wir trotz aller Widrigkeiten dennoch den Erfolg.

20.06.2014: Heimo und ich verlassen La Rochelle und fahren nach Besuch von 2 Loire Schlössern bis nach München zu Heimos Tochter. Von München geht es dann nach Hause. Zu Hause angekommen kopiere ich mein ganzes Fotomaterial auf eine DVD und sende diese an Dr.Axel Niestle' mit der Bitte um Sichtung.
Möglicherweise kann er etwas zur Identifizierung erkennen. Meine Hoffnung ist jedoch nicht sehr groß, da die Fotos auf Grund der Bedingungen nicht gerade als gut zu bezeichnen sind. Ca. eine Woche später bekomme ich ein Mail(Anlage 6) von Ihm:

„Das ist zweifelsfrei U667“

Ich kann es fast nicht glauben dieses Ziel erreicht zu haben, und sende diese Nachricht umgehend an Marc und Luc Braeuer, sowie Jean-Louis Maurette weiter. Später bekam ich von Dr.Niestle' noch eine genaue
Erläuterung:
U667 war ein sogenanntes „Schnorchelboot“, U 263 hatte keinen Schnorchel. Mit diesem Schnorchel, eine Erfindung in den letzten Kriegsjahren war es möglich auch unter Wasser -in geringer Tiefe- mit den Dieselmotoren zu fahren. Über diesen Schnorchel konnten die Dieselmaschinen Frischluft ansaugen.
U 667 hatte eine ganz frühe Ausführung dieser Neuerung. Ich hatte ein Foto(Anlage 7) gemacht, wo dieser Fachmann eindeutig die Anlenkung dieser Anlage erkennen konnte.



Im Gedenken an:

Bauch Walter - Obermaschinist 01.04.1914
Borowsky Helmut - Maschinenmaat 21.09.1921
Brübach Friedrich - Matrosenobergefreiter 21.05.1924
Brunk Kurt-Artur - Maschinenobergefreiter 21.09.1923
Drewes Gustav - Maschinenmaat 05.12.1921
Eder Franz - Maschinenobergefreiter 21.03.1923
Ederer Hans - Oberfunkmaat 01.09.1920
Ehrenfeld Kurt - Oberfunkmaat 20.11.1919
Erasimus Johann - Maschinenobergefreiter 07.09.1924
Fickert Wilhelm - Matrosenobergefreiter 23.04.1921
Figlon Herbert - Mechanikerobergefreiter 05.07.1922
Flach Hans - Obersanitätsmaat 01.07.1921
Grimm Kurt - Maschinengefreiter 16.09.1924
Hagelloch Hans-Georg - Oberleutnant(Ing.) 03.07.1921
Hahl Adam - Maschinenobergefreiter 26.06.1923
Hantel Artur - Matrosenobergefreiter 15.12.1922
Hochstetter Wilhelm - Obermaschinenmaat 22.05.1921
Holle Oswald - Maschinenobergefreiter 28.01.1924
Kabs Helmut - Maschinenobergefreiter 12.12.1923
Kröller Helmut - Oberleutnant 07.02.1921
Lange Karl-Heinz - Oberleutnant 10.02.1918
Laschke Kurt - Maschinenmaat 11.05.1923
Matthias Heinz-Karl - Obermaschinenmaat 19.06.1919
Mäurer Ludwig - Funkobergefreiter 25.12.1923
Mittler Arnold - Maschinenobergefreiter 28.09.1923
Mrziglod Heinrich - Bootsmannsmaat 03.01.1922
Oehler August - Matrosenhauptgefreiter 25.01.1906
Proske Walter - Matrosenobergefreiter 25.10.1923
Reisbach Werner - Stabsobersteuermann 14.02.1914
Reitor Emil - Mechanikerobergefreiter 18.02.1923
Richter Georg - Obermaschinist 17.07.1912
Richter Helmut - Obermechanikersmaat 02.01.1920
Sauer Helmut - Matrosenobergefreiter 20.10.1923
Schäfer Richard - Maschinenobergefreiter 30.01.1925
Scheit Reinhold - Oberbootsmannsmaat 27.05.1917
Schönmetzler Rudolf - Maschinenobergefreiter 11.02.1924
Schroeder Gerhard - Matrosenobergefreiter 06.02.1923
Schröder Günther - Oberleutnant 08.06.1914
Schulz Kurt - Obermaschinenmaat 06.06.1920
Seeliger Willi - Matrosenobergefreiter 24.11.1924
Senden Wilhelm - Matrosenobergefreiter 09.04.1923
Steigerwald Wilhelm - Funkobergefreiter 13.07.1924
Warmbold Adolf - Matrosenobergefreiter 07.04.1921
Weiß Rudolf - Maschinenobergefreiter 07.10.1923
Witzel Hans - Bootsmannsmaat 13.11.1921


Einen großen Dank an die Personen, ohne deren Hilfe dieses Projekt nicht möglich gewesen wäre:

Marc Braeuer
Luc Braeuer
Jean-Louis Maurette
Dr.Axel Niestle'

Mürzzuschlag 20.10.2014 Christian Hirsch

Anlage 1

U667
Bootstype: VII C
Länge: 67,1m
Breite: 6.2m
Wasserverdrängung: 796/1070t
Höchstgeschwindigkeit: 17kn über Wasser - 7,6kn unter Wasser
Reichweite: 3250sm bei 17kn - 8500kn bei 10kn
Tauchtiefe: 200m/30sec
Kiellegung: 16.08.1941
Stapellauf: 29.08.1942
Indienststellung: 20.10.1942
Bauwerft: Howald-Werke Hamburg (Schnorchelboot)
Flottenzugehörigkeit:
    10.1942-05.1943 5.U-Flottille
    06.1943-08.1944 7.U-Flottille

7.U-Flottille „Wegener“: betreffendes Boot war in St.Nazaire stationiert.

Feldpost-Nr.: M-50568

Verbleib des Bootes: Am 25.08.1944 in der Biskaya in der Nähe von La Rochelle auf Mine gelaufen.



Anlage 2

Ju 52 MS „Mausi“

Die 3 motorige Junkers Ju 52 ist ein weitverbreitetes Passagier- und Transportflugzeug der dreißiger Jahre. Dieser Typ wurde auch von der deutschen Wehrmacht für viele Zwecke eingesetzt.
Die Sonderausführung „Mausi“ war eine Entwicklung zum Entschärfen von Magnetminen vom Flugzeug aus. Die Maschine erhielt einen großen horizontalen Spulenring mit etwa 14m Durchmesser.(die Spule bestand aus rund 3000m Aluminiumdraht in dreieckiger Form). Dieser wurde durch einen Generatorsatz mit 150Kw unter Strom gesetzt, woduch sich ein starkes Magnetfeld ergab. Durch Überfliegen des Minenfeldes in einer Höhe von ca. 70m wurden die Minen dadurch zur Detonation gebracht.


Anlage 3

Sperrbrecher 134 (Ex Falke)

Dieser Schiffstyp war ebefalls für das Minenräumen vorgesehen. Dies geschah auch durch das Erzeugen eines starken Magnetfeldes, zusätzlich wurde bei diesen Schiffen versucht sie durchzusätzliche „Auftriebskörper“ wie Fässer, etc. auch bei Beschädigungen schwimmfähig zu halten. Der Dienst auf Sperrbrechern dürfte trotzdem ein Himmelfahrtskommando gewesen sein.

Gebaut bei den Bremer Vulkan Werft, Stapellauf 31.Juli 1909
Länge: 72,54m
Breite: 10,18m
Indienststellung als Sperrbrecher mit 01.10.1940
Untergang am 08.08.1944 nach Luftangriff.

Wrack liegt ca. 800m vor der Ile de Groix in einer Tiefe von 24m.
Pos.: N 47°39'128-W 03°26'474 (lt.European1950)


Anlage 4





Anlage 5





Anlage 6



Anlage 7



Auswertung: Dr.Axel Niestle'


Anlage 8





Anlage 9







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Mail: mklavacs@mattersburg.rlh.at

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